Hightech im Norden: Die Stack-Fertigung am Standort Hamburg
2024 hat Quest One seinen Firmensitz – den Gigahub – in Hamburg eröffnet: einen zentralen Entwicklungs- und Produktionsstandort für PEM-Elektrolyse-Stacks. Mit der Serienfertigung von Stacks wird die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff erhöht: Stacks sind das technologische Herzstück eines Elektrolyseurs, durch dessen Einsatz grüner Wasserstoff hergestellt werden kann, indem Wasser mit Hilfe von regenerativem Strom in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten wird. Damit spielen sie eine Schlüsselrolle für den Hochlauf der künftigen Wasserstoffwirtschaft.
Die hochautomatisierte Fertigung, kombiniert mit einem starken Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt, macht das Werk zu einem Schlüsselstandort innerhalb der Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff.
Standortleiter Jens Werner Schwarz hat gemeinsam mit seinem Team in nur 18 Monaten einen hochmodernen Produktionsstandort entwickelt und dessen Aufbau und Inbetriebnahme umgesetzt. In Hamburg schafft die Kombination aus Stack-Engineering, Testing und Prozessentwicklung kurze Innovationszyklen bei hoher Produktqualität.
„Einen neu entstandenen Standort aufzubauen und zu leiten bedeutet für mich, das große Ganze im Blick zu behalten und gleichzeitig die Details nicht aus den Augen zu verlieren. Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln und dabei Innovation den nötigen Raum geben – dabei muss das Miteinander im Zentrum unseres Handelns stehen. Ich glaube daran, dass uns gelebte Fehlerkultur und echte Zusammenarbeit effizient machen – nur so schaffen wir ein Umfeld, in dem Fortschritt und Gemeinschaft Hand in Hand gehen“, sagt Schwarz.
Stack-Produktion im Gigawatt-Maßstab
Im Gigahub übernehmen zwei parallel betriebene Anlagen das Stapeln, Verpressen und Testen der Einzelkomponenten der Stacks unter Reinraumbedingungen. Viele Arbeitsschritte, die bisher in Handarbeit ausgeführt wurden, werden nun automatisiert. Dadurch reduziert sich die Herstellungszeit eines Stacks um etwa 75 Prozent. Durch die automatisierte Produktion steigert Quest One außerdem die Effizienz und Präzision in der Herstellung: Qualitätsrelevante Parameter wie Dichtigkeit, elektrische Eigenschaften und mechanische Stabilität werden direkt im Produktionsprozess geprüft und digital dokumentiert. Sämtliche Prozessdaten, Prüfwerte und Bildmaterial werden im System gespeichert – für eine lückenlose Rückverfolgbarkeit.
„Jeder Stack wird mit einer vollständigen Datenspur versehen – bis hin zu Bilddaten aus dem Fertigungsprozess. So stellen wir höchste Qualität und Transparenz bis zur Auslieferung des fertigen Produkts beim Kunden sicher.“
Jens Werner Schwarz, Site Manager Quest One Hamburg & Vice President Operations Stack
Sämtliche Fertigungsschritte, Prüfprotokolle, Chargeninformationen und Materialdaten werden einem individuellen Stack-Datensatz zugeordnet. Ergänzend erfolgt eine visuelle und manuelle Endprüfung durch qualifizierte Fachkräfte. Geplant ist ein zentrales KPI-Infoboard, das den Echtzeit-Status der Produktion für alle sichtbar macht.
Zur Sicherung der Performance erfolgt eine elektrochemische Konditionierung unter realen Betriebsbedingungen. Der bei den Qualitätsprüfungen erzeugte Wasserstoff wird in mobilen Trailern gesammelt und für regionale Abnehmer bereitgestellt.
Forschung & Entwicklung mit Verantwortung: Stack-Technologie weiterdenken
Mit derzeit rund 160 Mitarbeitenden, darunter viele Ingenieur:innen, Techniker:innen und promovierte Fachkräfte, ist der Standort Hamburg stark technisch geprägt. Eigene Weiterbildungsprogramme fördern die Fachkräftebindung.
Mehr als 70 Prozent der Beschäftigten in Hamburg arbeiten in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Technik. In eigenen Laboren für elektrochemische, chemische und elektrotechnische Analysen entsteht die nächste Stack-Generation: leistungsstärker, kompakter, besser integrierbar.
Die Forschungsschwerpunkte liegen u. a. auf:
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Skalierung auf die nächste Stack-Generation
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Material-Handling und Robotik
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Digitalisierung und Condition Monitoring
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Entwicklung von Recycling-Strategien, mit besonderem Fokus auf die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe.
Das Zusammenspiel macht den Gigahub zu einem Technologieträger, Innovationslabor und Fertigungszentrum. Mit klarer Ausrichtung auf Wachstum, Automatisierung und Recyclingfähigkeit entstehen hier die Grundlagen für eine skalierbare und international wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft.
Moderne Infrastruktur mit Nachhaltigkeitsfokus
Der Gigahub besteht aus modern gestalteten Produktions- und Logistikflächen, spezialisierten Labor- und Reinraumbereichen sowie aus einem dreigeschossigen Bürogebäude. Die Hallenflächen umfassen rund 10.000 Quadratmeter, davon wird ungefähr ein Drittel für F&E, Testing und Prototypenbau genutzt.
Nachhaltigkeit ist hier Programm. Der Standort wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit dem Status Gold ausgezeichnet und strebt für 2025 die höchste DGNB-Nachhaltigkeitsklassifizierung Platin an. Unterstützt wird dies mit Features wie intelligenter Gebäudeautomation, Gründächer mit einer 2-MW-Photovoltaikanlage, die Rückgewinnung von Wärme aus dem Testing, eigene Wasserstoffproduktion sowie Ladeplätze für E-Bikes und -Fahrzeuge.
Zudem fördert der Standort barrierefreies Arbeiten an modernen Arbeitsplätzen, die Raum für Wachstum bieten und langfristig auf die Bedürfnisse von bis zu 430 Mitarbeitenden ausgelegt sind – ca. 320 im Bürobereich und 110 in Produktion und Laboren im Einschichtbetrieb, aus dem zukünftig auch ein Mehrschichtbetrieb-System entstehen kann.
Schnittstelle zur Gesamtproduktion: Zwei Standorte, ein System
Auch wenn Hamburg eigenständig produziert, entstehen die fertigen Elektrolyseure in Zusammenarbeit mit dem Werk in Augsburg. Dort werden die Stacks aus Hamburg „just-in-sequence“ passgenau angeliefert, in Container integriert, und die Endmontage und Systemtests durchgeführt. Die Koordination erfolgt zentral über das Order Management: Lieferzeitpunkte, Verpackung, Transportspezifikationen, Temperaturführung und Testing sind präzise und bedarfsgerecht zwischen den Standorten gesteuert.
Die beiden Werke stimmen sich zudem eng bei der technischen Entwicklung ab – insbesondere bei Fragen zur Verbaubarkeit, Wartungsfreundlichkeit und Schnittstellengestaltung. Regelmäßige Workshops und Austauschformate sorgen dafür, dass Stack und Gesamtsystem optimal aufeinander abgestimmt bleiben – auch für die geplante neue Stack-Generation.
Für den Markthochlauf der internationalen Wasserstoffwirtschaft sieht sich Schwarz bestens gerüstet: „Zukünftig werden Stacks auch direkt an Baustellen für großskalige Anlagen geliefert – mit neuen Anforderungen an Transport, Lagerung und Logistik. Mit flexiblen Prozessen, hohem Qualitätsanspruch und einem optimalen Zusammenspiel zwischen Augsburg und Hamburg sind wir bestens darauf vorbereitet!“



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